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Phyllida Barlow, untitled: 100banners2015, 2015, Lumber, plywood, tape, wadding, fabric, paint, sand, and plastic, Dimensions variable, © The artist, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger Photography
Phyllida Barlow, untitled: 100banners2015, 2015, Lumber, plywood, tape, wadding, fabric, paint, sand, and plastic, Dimensions variable, © The artist, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger Photography Schirn_

Vom 21. März bis 27. Mai 2018 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine große Ausstellung zur politischen Kunst der Gegenwart. Anhand unterschiedlichster Medien wie Installation, Fotografie, Zeichnung, Malerei und Film unternimmt „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Positionen, die sich als Seismografen des politischen Handelns lesen lassen.

Die Demokratie scheint in der Krise, die Ära der Post-Democracy bereits angebrochen. Die Symptome dafür sind vielfältig: populistische Führer, Fake News, Rückfall in autokratische Strukturen, totalitäre Propaganda, Neoliberalismus. Dennoch erlebt die Gesellschaft seit einiger Zeit den Weg der Kunst zurück ins Politische – ein Repolitisierung ist spürbar. Bilder von Demonstrationen in den Medien – wehende Fahnen, Banner und Transparente auf den Straßen und Plätzen wie etwa beim Women’s March, den Anti-Brexit-Kampagnen oder den Occupy-Aktionen prägen die öffentliche Wahrnehmung der letzten Jahre. Es sind neue Protestwellen, die ganz unterschiedliche Kontexte, Länder und politische Systeme betreffen. Das bewegt auch die Künstlerinnen und Künstler. Sie schaffen Werke, die sie als Instrumente der Kritik verstehen und die ausdrücklich politisch motiviert sind. Der Fokus der Ausstellung „Power to the People“ liegt auf grundsätzlichen Fragen und Auseinandersetzungen mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe.

Dabei werden Haltungen infrage gestellt, Formen des Protests abgebildet, und neue Stufen der Entdemokratisierung ins Visier genommen. Auf diese Weise werden jenseits konkreter Anliegen auch die Mechanismen und die Logik politischer Beteiligung zum Thema. Indem die Ausstellung künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Ländern, von Deutschland über England oder Belgien bis zu den USA, der Türkei, Israel oder Libyen vereint, regt sie zur Reflexion darüber an, wie politische Beteiligung aussehen kann und welche Konsequenzen sie jeweils nach sich zieht.

Die Ausstellung vereint 43 Werke, darunter u. a. Arbeiten von Guillaume Bijl, Adelita Husni-Bey oder Ricarda Roggan, die einen kritischen Blick auf die Fragilität von Volksvertretungen, das Versagen von öffentlichen Institutionen und die Grenzen parlamentarischer Demokratie werfen. Die Arbeiten von Halil Altındere, Osman Bozkurt oder Ahmet Öğüt beschäftigen sich mit struktureller Ungleichheit, staatlicher Unterdrückung und Willkür, aber auch mit öffentlichen Protesten als Form politischer Partizipation. Die aktive Teilhabe des Bürgers an der Gestaltung des öffentlichen Lebens wird etwa in den Werken von Katie Holten, Rirkrit Tiravanija oder Nasan Tur behandelt – das Spektrum künstlerischer Widerstandsformen zeigen die Werke von Phyllida Barlow, Hiwa K oder Marinella Senatore. Arbeiten wie etwa von Jens Ullrich setzen sich mit dem Plakat als politischem Protestmedium auseinander, Künstler wie Julius von Bismarck oder Mark Flood thematisieren die Manipulierbarkeit von medialen Bildern und von neuen überwiegend medialen Formen der politischen Beteiligung und Meinungsbildung. Das Kollektiv Forensic Architecture oder Andrea Bowers führen in ihren Werken künstlerische Methoden und Aktivismus zusammen und stellen die Frage nach der Kunst als politischer Produktivkraft. Die Ausstellung „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ wird durch den Verein der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V. gefördert.

Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, über die Ausstellung: „Jüngst geht die Kunst ihren Weg zurück ins Politische und die Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart erscheinen als Seismografen in diesen politisch bewegten Zeiten. Die Ausstellung ‚Power to the People. Politische Kunst jetzt‘ berührt auch die Frage, wie politisch Kunst sein darf oder sein soll. Es ist eine Frage, die wir zu jeder Zeit immer wieder neu stellen müssen.“

„Es gibt keine Kunst ohne Gesellschaft. Kunst hat immer eine gesellschaftliche Komponente, sie findet in einem Kontext statt, in einer bestimmten Zeit, in einem bestimmten Land. Kunst hat konkrete Personen, die sie produzieren, sie hat Institutionen, in denen sie gezeigt wird, und einen konkreten Betrachter, eine konkrete Betrachterin. Dabei ist es genau die Stärke von Kunst, dass sie eben kein parteipolitisches Organ ist, sondern dass ihr ganz eigene Mittel zur Verfügung stehen. Dass sie Denkräume öffnen kann, Erfahrungsräume, die es möglich machen, jenseits der Tagespolitik komplexe Zusammenhänge freier zu thematisieren“, erläutert Dr. Martina Weinhart, Kuratorin der Ausstellung.

www.schirn.de

Dr. Wolf Gust

Bildernachweis

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Phyllida Barlow, untitled: 100banners2015, 2015, Lumber, plywood,tape, wadding, fabric, paint, sand, and plastic, Dimensions variable, © The artist, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger Photography

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Adelita Husni-Bey, The Sleepers, 2012, Öl auf Leinwand, 165 x 350 cm, Privatsammlung Italien, © Die Künstlerin, Courtesy Galleria Laveronica, Modica

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Halil Altındere, Ballerinas and Police, 2017, Full HD Video, 9:38Min., © the artist, Courtesy the artist and PİLOT Galeri, Istanbul

Schirn_Presse_Power_to_the_People_Sam_Durant_Let_s_Judge.jpg
Sam Durant, Let’s Judge Ourselves as People, 2002, Vinyl Text auf elektrischem Schild, 175,3 x 124,5 x 23,4 cm, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg, Foto: Egbert Haneke

Adelita Husni-Bey, The Sleepers, 2012, Öl auf Leinwand, 165 x 350
cm, Privatsammlung Italien, © Die Künstlerin, Courtesy Galleria
Laveronica, ModicaHalil Altındere, Ballerinas and Police, 2017, Full HD Video, 9:38
Min., © the artist, Courtesy the artist and PİLOT Galeri, IstanbulOsman Bozkurt, Marks of Democracy / Portraits of the Voters,
2002, Zehn C-Prints, je 60 x 40 cm, Deutsche Bank Collection, ©
the artistPhyllida Barlow, untitled: 100banners2015, 2015, Lumber, plywood,
tape, wadding, fabric, paint, sand, and plastic, Dimensions variable,
© The artist, Courtesy Hauser & Wirth, Photo: Stefan Altenburger
PhotographySam Durant, Let's Judge Ourselves as People, 2002, Vinyl Text auf
elektrischem Schild, 175,3 x 124,5 x 23,4 cm, Deichtorhallen
Hamburg / Sammlung Falckenberg, Foto: Egbert Haneke